Konzept Jugendseelsorge

Ziel der Jugendarbeit ist nicht „Rekrutierung,
sondern Motivation und Befähigung,
das Leben am Weg Jesu zu orientieren.“

Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit. Ein Beschluss der gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland (1975), in: Heftreihe Synodenbeschlüsse Nr. 8, Sonderdruck aus der Gesamtausgabe der gemeinsamen Synode der Bistümer der Bundesrepublik Deutschland, hg. von der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn [o.J], 5.

Was für uns gute und gelingende Jugendarbeit ist.

Von Susanne Münch-Kutscheid

Fünf zentrale Maßgaben der Jugendarbeit,
angelehnt an den Synodenbeschluss Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit. (1975)

 

1.      Der Primat der Diakonie

Ziel kirchlicher Jugendarbeit ist es, „Jugendlichen mehr Leben zu ermöglichen.“

Katholische Jugend Hamburg, BDKJ Landesstelle, (Hg.) Mach doch mal Jugendarbeit! Arbeitshilfe für die Jugendarbeit in Gemeinde, Hamburg 1999, 13. Der diakonische Ansatz hat hierbei drei Dimensionen, die soziale, die individuelle und die kirchliche: Die soziale Dimension meint das Ansetzen an den sozialen Ungerechtigkeiten und den Versuch, diese zu überwinden, die individuelle Dimension meint die persönliche Sinnsuche und die kirchliche Dimension meint die Glaubwürdigkeit, Einbindung in pastorales Handeln in der Gemeinde.

Die Diakonie ist hierbei eine zentrale Option. Diakonie ist hier in einem mehrfachen Sinne zu verstehen: Zum einen will das Jugendarbeit zu diakonischem Handeln, zum Teilen und Helfen, zur Unterstützung von Menschen in Not ermuntern und befähigen und vollzieht sich im Vierschritt „von der Betroffenheit zur Inhaltlichkeit, über die Beziehung zum konkreten Handeln“. (ebd) Zum anderen ist Jugendarbeit selbst notwendig diakonisch, denn ihr Ziel ist „junge Menschen zu motivieren und zu befähigen, das Leben am Weg Jesu zu orientieren und ihnen zu helfen, sich in einer Weise zu verwirklichen, die an Jesus Christus Maß nimmt.“

Martin Lechner, Pastoraltheologie der Jugend, München 192, 156f.

Dabei gilt es konkrete Sorge, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit wahrzunehmen und unterstützend zu begleiten – gerade da, wo die Not besonders groß und drängend ist. Glaubensverkündigung im Bereich der Jugendarbeit ist daher zuerst „situative Verkündigung, die in Gruppenerfahrungen und personalem Angebot realisierbar ist“. (ebd) Gottes Zuwendung und Sorge für jeden einzelnen Menschen wird konkret erfahrbar durch das Tun. Auf diese Weise kommen die Jugendlichen mit Gott in Kontakt und können ein (häufig erstes) Gespür für seine Botschaft entwickeln

 2.      Freiwilligkeit

Die Jugendlichen entscheiden frei, ob sie an einem Angebot teilnehmen möchten und auch darüber, wie viel sie von sich einbringen möchten. Um diesen Rahmen der Freiwilligkeit und Leistungsfreiheit zu gewährleisten finden Angebote der Jugendarbeit in der Regel außerhalb der schulischen und beruflichen Verpflichtungen statt. Freiwilligkeit bedeutet jedoch nicht Beliebigkeit, denn das Einüben von Verantwortung und das Einhalten von Vereinbarungen sind wichtige Lernziele in der Jugendarbeit.

Juleica, Handbuch für Jugendleiterinnen und Jugendleiter, 136ff.

3.      Selbstbestimmheit fördern

Jugendliche sind nicht reine Adressaten des kirchlichen Dienstes, sondern ebenso ihre Träger.

 Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit, 3.

Ein zentrales Ziel der Jugendarbeit ist die Unterstützung der jungen Menschen bei der Subjektwerdung. Daher wird Jugendarbeit nach den Vorstellungen, Wünschen, Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen gestaltet. Da die Jugendkultur im Vergleich zu anderen Lebensaltern und Kulturen einem schnelleren Wechsel und Wandel unterworfen ist, muss deutlich betont werden, dass Jugendarbeit unter sich wandelnden und zu wandelnden gesellschaftlichen Bedingungen geschieht. [ebd]. Katholische Jugendarbeit baut auf der Lebenswelt der Jugendlichen auf und ist an den elementaren Interessen, Bedürfnissen und Fragen der Jugendlichen orientiert. Sie will einen Raum bieten, wo diese Themen offen angesprochen werden können. [ebd, 4.] Dazu sucht sie das Gespräch mit den Jugendlichen und gestaltet ihre Angebote entsprechend der Wünsche und Ideen der Jugendlichen.

Die Jugendarbeit von heute kann und darf daher nicht (wie) die Jugendarbeit vergangener Generationen sein. Heutiges Engagement Jugendlicher sollte nicht an diesen Vorstellungen gemessen werden.

Vielmehr ist es die Aufgabe der Hauptamtlichen mit den aus dem Jugendalter entwachsenen und von der eigenen kirchlichen Jugendzeit stark geprägten Menschen in den Pfarrgemeinden nach dem zu forschen, was sie bewegt und welche spirituellen und kirchlichen Bedürfnisse sie für ihre Jetztzeit haben.

4.      Unterstützung bei der individuellen Persönlichkeitsentwicklungund Identitätsfindung

Kirchliche Jugendarbeit ist ein „Einübungsfeld, wo der junge Mensch sich ernst genommen und angenommen erfährt und so zugleich zu der ihm gemäßen Eigenständigkeit und der notwendigen Anpassung an seine Umwelt findet.“

Ebd., 11. Ein Auftrag der Jugendarbeit ist dabei die Unterstützung bei der notwendigen emotionalen Lösung von der Familie (Vgl. ebd., 4)

Dabei steht die ganze Person des Jugendlichen im Vordergrund (ganzheitlicher Ansatz) mit allen seinen Verknüpfungen auf Umgebung und Welt hin. Primär ist es nicht wichtig, dass sich der Jugendliche zur Kirche zählt, sondern dass er ein junger Mensch ist, der auf der Suche nach seiner Persönlichkeit und dem Sinn seines Lebens ist. Für mich als Begleiterin muss das heißen: Motivation, Hilfe, Begleitung, Sorgetragen, Deutemöglichkeiten aufzeigen…

In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich, dass die Räume in denen Jugendliche sich treffen als Schutzräume wahrgenommen werden können, in denen frei gedacht und gehandelt werden kann, in denen „junge Menschen Leben erfahren, verstehen und gestalten lernen.“ [ebd, 2.] Innerhalb dieser Schutzräume ist kein Platz für verbal oder sexuell übergriffiges oder verletzendes Verhalten. Daher werden im Rahmen der Jugendleiterschulungen spezielle Bausteine zu den Themen „Kindeswohlgefährdung“ und „Prävention sexuellen Missbrauchs“, wenn nötig in Zusammenarbeit mit anderen Trägern, angeboten.

5.      Kirchliche Jugendarbeit ist ein Dienst der Kirche an der Jugend

„Die Kirche dient dem jungen Menschen, indem sie ihm hilft, sich in einer Weise selbst zu verwirklichen, die an Jesus Christus Maß nimmt. Darin unterscheidet sich kirchliche Jugendarbeit von jeder anderen Jugendarbeit.“[ebd. 6.] In der kirchlichen Jugendarbeit werden Jugendliche mit der Botschaft Jesu Christi in Kontakt gebracht. Jugendarbeit als Jugendseelsorge bietet einen Raum zum ernsthaften und ehrlichen Diskurs über die Kirche und ermuntert zur kritischen Unterscheidung zwischen vergangener und gegenwärtiger kirchlicher Wirklichkeit. Jugendarbeit ist immer Teil der konkreten Gesellschaft in der sie wirkt. In diesem Sinne ist jedes christlich motivierte Engagement für Jugendliche ein „Dienst der Kirche an der Jugend überhaupt und ein Dienst an der Jugend der Kirche. Sie ist immer zugleich ein Dienst an einzelnen jungen Menschen und ein Dienst an der Gesellschaft.“

Ebd., 2. Jugendarbeit ist daher stets auch als gesellschaftliche Diakonie zu verstehen, als Dienst an der Jugend und Dienst an der Gesellschaft als Ganzer.

In diesem Sinne ist es für kirchliche Jugendarbeit natürlich theoretisch möglich und praktisch wünschenswert, dass auch nichtkatholische Jugendlichen an Veranstaltungen, Aktionen und Projekten mitwirken, denn leitend bei allem Tun in der Jugendarbeit ist immer das Interesse an der Subjektwerdung aller Menschen vor Gott und damit auf der Handlungsebene der Wunsch nach Förderung der individuellen, sozialen, gesellschaftlichen und religiösen Entfaltung und Selbstverwirklichung des Jugendlichen.

Vgl. Stephan Kaiser-Creola (Hg.), Kirchliche Jugendarbeit. Berichte, Reflexionen, Perspektiven, Zürich 2003, 13.